Der letzte Sammler. Die Wirklichkeit kehr zurück.
Mit der Ausstellung Der Letzte Sammler. Die Wirklichkeit kehrt zurück präsentiert Domingo G. Mattle ein ebenso provokantes wie selbstironisches Projekt, das die Mechanismen des Kunstbetriebs auf spielerische Weise hinterfragt. Bereits die Einladung macht deutlich, dass sich die Besucherinnen und Besucher auf eine ungewöhnliche Erfahrung einstellen dürfen: Statt mit großen Versprechen wirbt sie mit einer ausdrücklichen Warnung und empfiehlt, die Ausstellung besser nicht zu besuchen. Gerade diese Umkehrung der Erwartungshaltung wird zum zentralen künstlerischen Prinzip.
Im Mittelpunkt steht die bewusste Inszenierung von Verweigerung und Antiklimax. Ein schlecht präparierter Waschbär, ein zur Wand gedrehtes Bild oder scheinbar misslungene Präsentationen werden zu Ausgangspunkten einer Auseinandersetzung mit Wert, Bedeutung und Wahrnehmung. Die Ausstellung bedient sich gezielt der Ironie und der sogenannten „Reverse Psychology“ – sie behauptet, ein Desaster zu sein, und fordert das Publikum gerade dadurch heraus, genauer hinzusehen und eigene Urteile zu hinterfragen.
Mattle spielt mit den Erwartungen an Authentizität, Relevanz und künstlerische Autorität. Zwischen humorvoller Überzeichnung und ernsthafter Reflexion entsteht ein Spannungsfeld, das vertraute Vorstellungen von Ausstellung, Sammlung und künstlerischer Praxis auflöst. Die Arbeiten laden dazu ein, sich auf Unsicherheit einzulassen und die Frage zu stellen, ob Bedeutung tatsächlich im Objekt selbst liegt oder erst durch den Blick der Betrachtenden entsteht.
Der Letzte Sammler. Die Wirklichkeit kehrt zurück ist damit weit mehr als eine klassische Ausstellung. Sie versteht sich als performativer Kommentar auf den Kulturbetrieb und als Einladung, die eigene Rolle als Publikum kritisch zu reflektieren. Wer bereit ist, sich auf dieses Spiel mit Erwartungen, Enttäuschung und Widerspruch einzulassen, entdeckt hinter der provokativen Oberfläche eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Kunst und Wirklichkeit. Die Ausstellung zeigt, dass gerade dort, wo vermeintliches Scheitern inszeniert wird, überraschende neue Perspektiven entstehen können.
Wer ist Domingo G. Mattle?
Domingo G. Mattle (*1995 in Hohenems, Österreich) ist ein zeitgenössischer Künstler aus Vorarlberg, der sich zwischen Urban Art, Konzeptkunst und installativer Praxis bewegt. Seine Arbeiten verbinden Graffiti, Skulptur, Malerei und gesellschaftliche Reflexion zu einem eigenständigen künstlerischen Kosmos, der von Ironie, Humor und kritischer Beobachtung geprägt ist.
Dabei beginnt die Inszenierung bereits bei seiner eigenen Person: „Domingo G. Mattle gibt es eigentlich gar nicht. Er ist eine reine Erfindung von Domingo Geronimo Mattle. Und der wiederum ist eine Erfindung seiner Eltern. Ein ewiger Kreislauf aus charmanten Fake News.“ Identität wird bei Mattle nicht als feste Größe verstanden, sondern als Teil eines künstlerischen Spiels.
Vom B-Boy zum bildenden Künstler
Seinen kreativen Weg begann Domingo G. Mattle bereits im Alter von acht Jahren als B-Boy „Domingo“ in der Prodigyy Crew. Mit der Formation war er auf internationalen Veranstaltungen aktiv und lernte früh die kulturellen Wurzeln der Hip-Hop-Bewegung kennen. Im Alter von zwölf Jahren entdeckte er Graffiti-Writing für sich und entwickelte eine Leidenschaft für urbane Kunstformen, die sein Schaffen bis heute nachhaltig beeinflusst.
Prägende Erfahrungen sammelte er unter anderem in der Bronx in New York – dem historischen Ursprungsort von Hip-Hop und Graffiti. Diese Eindrücke spiegeln sich bis heute in seinen Werken wider, die urbane Ästhetik mit konzeptuellen Fragestellungen verbinden.
Internationale Ausstellungen und Projekte
Neben seiner künstlerischen Arbeit engagierte sich Domingo G. Mattle früh für die Vermittlung von Urban Art in Vorarlberg. Bereits als Jugendlicher leitete er Graffiti-Workshops und setzte sich für die Anerkennung der Street-Art-Kultur als zeitgenössische Kunstform ein.
Seine Werke wurden im Laufe der Jahre auf internationalen Ausstellungen und Veranstaltungen präsentiert, unter anderem in Los Angeles, New York, Toronto und Hongkong. Darüber hinaus war er Teil verschiedener Ausstellungsprojekte in Österreich, darunter die „Young Art Generation“ in Bregenz sowie die Gruppenausstellung „Urbane Kunst im Ländle“ in der Alten Seifenfabrik in Lauterach.
Kunst zwischen Ironie und Konzept
Das Werk von Domingo G. Mattle zeichnet sich durch einen spielerischen Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen und den Mechanismen des Kunstbetriebs aus. Seine Installationen und Objekte bewegen sich bewusst zwischen Ernsthaftigkeit und Satire und hinterfragen Themen wie Authentizität, Wert, Originalität und Wahrnehmung.
Dabei verbindet er Elemente der Popkultur mit konzeptuellen Strategien und schafft Arbeiten, die das Publikum zum Nachdenken ebenso wie zum Schmunzeln anregen. Humor wird dabei zum Werkzeug, um komplexe Fragen über Kunst und Gesellschaft zugänglich zu machen.
