Claudia Mang

JODELN IST KLANG

Dieser Ausspruch stammt von meiner sehr geschätzten Jodellehrmeisterin und Jodelkünstlerin Evelyn Fink-Mennel. Bei ihr lerne ich seit vielen Jahren den JODLER kennen.


Als ich das erste Mal vor 16 Jahren auf der Sonn Alp im Bregenzer Wald stand und Evelyn uns einlud unsere Stimme in die Berge zu schicken, da hatte ich Angst und mir zitterten die Knie – aber ich überwand die innere Beklemmung – und als die Töne aus mir in die Bergketten Vorarlbergs hinausklangen und mit voller Kraft zurückkamen – da wusste ich: hier bist du zu Hause – in diesen Klängen und in den Bergen.


Später erfuhr ich nach und nach von den Geschichten und Entwicklungen der Jodler, von den Brust- und Kopftönen und davon, dass es diese Art von Tonkommunikation in allen Kulturen in unterschiedlichster Art und Weise gibt.


Claudia Mang mit ihrer Jodel Installation in der Galerie Fritz

Jodeln ist für mich eine klingende Sprache

Das regelmäßige Üben und Zusammenjodeln lösten eine künstlerische Auseinandersetzung aus. Zunächst entstanden Zeichnungen. Bald wurde es wichtig, die Erfahrungen körperlich umzusetzen. Um den Klang und die körperlichen Entsprechungen in ihrem vollen Ausmaß zu verstehen, begann ich mit Ton zu arbeiten. Die Figuren entwickelten sich langsam, waren immer handgroß. So konnte ich sie in meiner Hand halten, spüren und sie überall hin mitnehmen. Jodeln wurde mit der Zeit immer mehr zu einem inneren Zustand, zu einer Haltung. Es geht darum voll präsent zu sein. „Jodeln muss man ganz, nicht halb“, hat Evelyn mal gesagt und: „Jodeln heißt, du bist geil auf dich selbst“ – dann lachen alle. Dieses Lachen macht frei und zeigt wie wild und unbändig dieses pure Jodeln ist. Ungebrochen und einzigartig.

Die Figuren entstanden zunächst einzeln, gespeist aus Jodlern oder Personen, die den Jodler jauchzten. Später begann ich zwei gleichzeitig zu modellieren, da ich das Jodeln anders begreifen konnte. Von Vornherein schon aus mehreren Teilen bestehend. Die Hauptstimme, die obere oder die untere Stimme usw.


Claudia Mang mit ihrer Jodel Installation in der Galerie Fritz

„Gejodelt wird nicht im Chor, wo die Stimmen eingeteilt sind und du so singen musst, wie es die Noten vorschreiben“– sagt Evelyn. Beim Jodeln sollte die einzelne Stimme gehört werden. Ich begriff, dass dieses HÖREN – sich selbst HÖREN – phänomenal schön ist, wenn einmal die innere Hürde des Versagens überwunden ist.

Es war so eine Art, Erkenntnis: Ich kann mich hören, ich kann dich hören und dann können wir uns gemeinsam hören und keiner verliert seine Stimme, sondern unserer Stimmen entwickeln gemeinsam einen neuen Klang.

 

Jodeln ist für mich der Inbegriff allumfassender Lebendigkeit: Freude, Kraft und Witz können im gleichen Atemzug mit getragenen, traurigen oder wütenden Tonfolgen Raum gewinnen. Es kommt darauf an, wie ich den Jodler interpretiere, wie ihn meine eigene Stimme präsentiert. Jede Stimme ist anders.

Evelyn bringt uns in vielen Stunden mit unterschiedlichsten praktischen Übungen dazu, ganz tief reinzubohren in unser Stimmvolumen. Das ist nicht immer ein Zuckerschlecken! Es bedeutet Arbeit und Konsequenz, diszipliniertes Üben und viel Humor!

 

Claudi aMang und Bernhard Fritz in der Galerie Fritz

Doch welches Üben ist schöner als jenes, wo wir uns später gemeinsam erfreuen und hinausschwingen können in die Weiten der Welt?

 

Meine Skulpturen sollen sich drehen und jodeln – und zwar immer, wenn eine Person an die Jodelskulptur herantritt, egal ob Tag oder Nacht. Die Figuren zeigen mit ihren scheinbar unmöglichsten Erscheinungsweisen den eigenwilligen Charakter von Personen und Jodler Themen, die sich aus unzähligen Stunden der Beobachtung und des Ausprobierens und Übens ergeben. Die Rezipient:innen können Staunen, Lachen, irritiert sein oder einfach einstimmen in die Jodler die sie hören.

 

Ein Hoch auf die Freiheit der Stimme! Ein Hoch auf die Lebensfreude der Klänge! Ein Hoch auf die vielfältigen Formen der Kunst!

 

– Claudia Mang (Jänner 2026)

Claudia Mang in der Galerie Fritz

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